Gewebte Bordüren an Handtüchern: Funktion und richtige Pflege
Wer ein frisch gewaschenes Badetuch zusammenlegt, hat ihn automatisch in der Hand: den glatten, gewebten Streifen kurz über dem Saum. Er findet sich an fast jedem Handtuch – vom einfachen Gästetuch bis zum schweren Hotelhandtuch – und wird meist für ein reines Zierelement gehalten. Tatsächlich hat dieses Band in der Weberei eine handfeste Aufgabe, und es verrät nebenbei einiges über die Qualität eines Handtuchs. Hier lesen Sie, was hinter der sogenannten Dobby-Bordüre steckt, warum ausgerechnet sie oft als Erstes grau wird und wie Sie Ihre Handtücher so pflegen, dass Frottee und Bordüre lange schön bleiben.

Was der glatte Streifen eigentlich ist
Frottee besteht aus einem festen Grundgewebe, in das beim Weben unzählige kleine Schlingen eingearbeitet werden – der sogenannte Flor. Diese Schlingen vergrößern die Oberfläche des Stoffs enorm und machen das Handtuch so saugfähig. An der Bordüre fehlen die Schlingen: Dort läuft nur das flache Grundgewebe durch, häufig mit einem feinen eingewebten Muster. Solche Muster entstehen auf einer speziellen Webmaschine, der Dobby-Maschine – daher der Fachbegriff Dobby-Bordüre.
Drei Aufgaben, die die Bordüre erfüllt
1. Sie stabilisiert das Handtuch. Die flache, dicht gewebte Zone wirkt wie ein Rahmen: Sie hält das lockere Schlingengewebe in Form und verhindert, dass sich das Handtuch beim Waschen und Schleudern an den Enden verzieht oder ausfranst. Genau an den Querkanten ist die mechanische Belastung in der Waschtrommel am größten.
2. Sie erleichtert die Produktion. Frottee wird nicht Handtuch für Handtuch gewebt, sondern als langes Warenband. Die schlingenfreien Zonen markieren die Stellen, an denen die Bahn später geschnitten und gesäumt wird. Auf dem flachen Gewebe hält die Saumnaht deutlich besser als im dicken Flor – einer der Gründe, warum ordentlich verarbeitete Handtücher an den Kanten selten aufgehen.
3. Sie dient als Gestaltungselement. Hersteller nutzen die Bordüre für Streifenmuster oder eingewebte Logos. Im Alltag hat sie zudem zwei angenehme Nebeneffekte: Sie gibt beim Zusammenlegen eine saubere Faltkante vor, und sie trocknet schneller als der Rest des Handtuchs, weil sie ohne Schlingen deutlich weniger Wasser aufnimmt.
Warum gerade die Bordüre zuerst grau wird
Viele kennen das: Das Handtuch sieht insgesamt noch gut aus, aber der glatte Streifen wirkt gräulich oder leicht speckig. Das liegt nicht daran, dass sich dort mehr Schmutz sammelt – auf der glatten Fläche fallen Ablagerungen von Waschmittelresten, Hautfett und Kalk nur viel schneller auf, während der flauschige Flor sie optisch schluckt. Häufigste Ursache ist eine zu hohe Waschmitteldosierung: Was nicht ausgespült wird, setzt sich in den Fasern fest.
Hat sich bereits ein Grauschleier gebildet, hilft ein einfaches Einweichbad:
- 2 Liter warmes Wasser
- 2 Esslöffel Natron (ca. 30 g)
Die betroffene Stelle etwa 30 Minuten in der Lösung einweichen und das Handtuch anschließend wie gewohnt waschen. Diese Methode eignet sich für Baumwolle; bei bunten oder empfindlichen Stoffen sollten Sie vorher an einer unauffälligen Stelle testen.
Handtücher richtig waschen – darauf kommt es an
- Nach Farben sortieren. Weiße, helle und dunkle Handtücher getrennt waschen, damit nichts abfärbt.
- Temperatur passend wählen. 60 °C entfernen Keime und Fettrückstände am zuverlässigsten, sofern das Pflegeetikett es erlaubt. Für empfindliche oder stark gefärbte Handtücher reichen 40 °C mit einem Vollwaschmittel – warum das ein Kompromiss ist, erklärt unser Beitrag zum Handtuchwaschen bei 40 °C.
- Waschmittel knapp dosieren. 40 bis 60 ml Flüssigwaschmittel genügen bei normaler Beladung. Mehr reinigt nicht besser, sondern hinterlässt Rückstände – zuerst sichtbar auf der Bordüre.
- Trommel nur zu drei Vierteln füllen. Handtücher brauchen Platz, um durchgespült zu werden. In einer überladenen Maschine bleiben Waschmittelreste im Gewebe.
- Gründlich trocknen. Im Trockner bei niedriger bis mittlerer Temperatur oder an einem gut belüfteten Ort – niemals feucht in den Schrank legen.
Ein oft übersehener Punkt: Rückstände in der Maschine selbst. Sitzen Waschmittelreste und Biofilm im Einspülfach oder an der Türdichtung, landen sie bei jeder Wäsche aufs Neue auf den Textilien. Es lohnt sich deshalb, etwa einmal im Monat die Waschmaschine gründlich zu reinigen.
Weich ohne Weichspüler
Weichspüler klingt bei Handtüchern naheliegend, ist aber meist kontraproduktiv: Er legt einen dünnen Film um die Fasern, der die Schlingen verklebt. Das Handtuch fühlt sich anfangs weich an, verliert aber Saugkraft – und die glatte Bordüre bekommt mit der Zeit einen speckigen Glanz.
- Handtücher vor dem Trocknen kräftig ausschütteln, damit sich der Flor aufrichtet.
- Im Trockner bei niedriger Temperatur trocknen – die Bewegung macht Frottee spürbar weicher als reines Leinetrocknen.
- Bei muffigem Geruch 1 Esslöffel Natron (ca. 15 g) mit in die Trommel geben.
Sind Ihre Handtücher bereits hart geworden, finden Sie in unserem Ratgeber So werden harte, raue Handtücher wieder weich und flauschig eine Schritt-für-Schritt-Anleitung ganz ohne Weichspüler.
Weiße Handtücher: Grauschleier großflächig entfernen
Wirkt das ganze Handtuch grau statt nur die Bordüre, hilft bei weißer Baumwolle ein Bad mit Sauerstoffbleiche: 5 Liter warmes Wasser mit 2 Esslöffeln Sauerstoffbleiche (Dosierung laut Hersteller) mischen, das Handtuch etwa eine Stunde einweichen und danach normal waschen. Für bunte Handtücher ist ein Colorwaschmittel die sicherere Wahl.
Auf Chlorbleiche sollten Sie verzichten, sofern das Pflegeetikett sie nicht ausdrücklich erlaubt: Chlor greift die Fasern an, bleicht Farben aus und darf niemals mit Essig oder anderen sauren Mitteln in Kontakt kommen. Essig selbst kann in kleinen Mengen Kalk aus den Fasern lösen – etwa 100 ml weißer Haushaltsessig gelegentlich ins Weichspülerfach genügen.
Richtig trocknen, lagern, wechseln
Nach dem Duschen sollte ein Handtuch vollständig auseinandergehängt trocknen können – zusammengefaltet auf dem Haken bleibt es innen feucht und beginnt zu riechen. In den Schrank gehören Handtücher nur restlos trocken, sonst drohen muffiger Geruch und im schlimmsten Fall Stockflecken. Als Faustregel gilt: Badetücher nach drei bis vier Benutzungen wechseln.
Beim Zusammenlegen zeigt sich übrigens noch einmal der praktische Wert der Bordüre: Sie gibt eine gerade Kante vor, an der sich das Handtuch sauber und stapelfähig falten lässt. Weitere Pflegetipps rund um Frottier haben wir im Beitrag Handtücher bleiben länger weich zusammengestellt.
Häufige Fragen
Sind die gewebten Streifen nur Dekoration?
Nein. Sie stabilisieren das Gewebe an den besonders beanspruchten Querkanten, markieren in der Produktion die Schnitt- und Saumstellen und verhindern, dass sich das Handtuch beim Waschen verzieht. Das Muster ist nur der sichtbarste, aber nicht der wichtigste Teil.
Warum trocknet die Bordüre schneller als der Rest?
Weil ihr die Frotteeschlingen fehlen. Ohne den Flor ist die Oberfläche viel kleiner, das Gewebe speichert weniger Wasser und gibt Feuchtigkeit schneller ab.
Sagt die Bordüre etwas über die Qualität eines Handtuchs aus?
Indirekt ja: Eine dicht gewebte, glatt liegende Bordüre mit sauber gearbeiteten Säumen spricht für sorgfältige Verarbeitung. Entscheidender für die Alltagsqualität ist aber das Flächengewicht – gute Badetücher liegen meist zwischen 400 und 600 g/m².
Warum wird der Streifen manchmal grau oder glänzend?
Meist lagern sich dort Waschmittelreste, Hautfette und Kalk ab, die auf der glatten Fläche schneller sichtbar werden als im Flor. Mit knapper Waschmitteldosierung, gelegentlichem Natron-Einweichen und dem Verzicht auf Weichspüler lässt sich das weitgehend vermeiden.
